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Brillengläser aus Biomasse

Brillengläser aus Biomasse

„Bochum – ich komm‘ aus dir…“: Mit der leicht verschwurbelten Grönemeyer-Nostalgik haben die Jungs aus dem Pott vom Startup „Briloro“ zwar nicht viel am Hut, aber sie blicken, trotzdem straight nach vorn in eine – hoffentlich – nachhaltige Zukunft. Sie haben eine Möglichkeit gefunden, Brillengläser aus Plastik durch solche aus Biomasse zu ersetzen. Ohne falsche Bescheidenheit versprechen sie bei einem gemeinsamen Video-Spaziergang durch eine vermüllte Natur (https://www.startnext.com/nature-specs): „Bei der Brillenglasproduktion werden in Deutschland 214 Tonnen Plastik jährlich verbraucht. Aber wir werden das ändern!“ Grönemeyer hätte wohl gesungen: „Ihr macht mit ’nem Brillenpass jeden Gegner nass…“ 

Briloro als Startup zu bezeichnen, ist dabei nicht ganz korrekt. Unter diesem Firmennamen sind die beiden Gründer Lars Lammert und Carl Philipp Niermann schon etwas länger unterwegs und haben schon einige nicht ganz alltägliche Projekte (wie Holzbrillen aus alten Barrique-Fässern) realisiert. Neu ist jetzt das Label „Nature Specs“ mit zwei Läden in Bochum (Bermudadreieck) und Köln (Belgisches Viertel), in denen natürlich nachhaltige Fassungen (etwa Woodfellas oder Dick Moby) und zudem die „Do Green“-Brillengläser angeboten werden. Diese basieren auf  einem Kunststoff auf Pflanzenölbasis im Gegensatz zu den herkömmlichen (Mineralöl-)Gläsern. Letztlich bestehen die Do-Green-Gläser damit zu 90 Prozent aus pflanzlichen Materialien. Nature Specs verwendet sie in allen neuen Gestellen, bietet aber auch an, alte Brillen damit neu zu verglasen.

„Dem Produzenten war allerdings nicht klar, dass er nachhaltiges Brillenglas-Material produziert. Oder besser gesagt: Es war ihm nicht wichtig, weil das für ihn keinen USP darstellt.“

Lars Lammert

Gründer Briloro

„Wir haben zunächst mal bei fast allen deutschen Glasherstellern angefragt, ob sie uns mit nachhaltigen Gläsern beliefern können“, erzählt Augenoptikermeister Lammert von der „Findungsphase“, „aber da haben wir nur Absagen bekommen.“ In Deutschland gebe es dafür keinen Markt, habe die oft gehörte Begründung gelautet. Also recherchierten die Briloro-Boys international und wurden im nicht allzu weit entfernten Ausland fündig. „Dem Produzenten war allerdings nicht klar, dass er nachhaltiges Brillenglas-Material produziert“, berichtet Lammert. „Oder besser gesagt: Es war ihm nicht wichtig, weil das für ihn keinen USP darstellt.“ So sei das Thema Nachhaltigkeit in vielen anderen Ländern noch weit entfernt von der Relevanz, die es in Deutschland habe. Umweltbewusstsein muss man sich eben auch leisten können – nicht umsonst hat Nature Specs seinen Flagship-Store in einem Kölner Szeneviertel eröffnet.      

Wobei: War das mit dem „keinen Markt“ vielleicht nur ein vorgeschobenes Argument? „Doch, das Thema ist spannend“, muss zum Beispiel Florian Gisch als Geschäftsführer des Brillenglasherstellers Wetzlich Optik Präzision GmbH zugeben, schon allein deswegen, weil man als Unternehmen in Deutschland in puncto Umweltschutz bereits jetzt an wesentlich mehr Bestimmungen gebunden sei als in anderen Ländern. „Aber es sind da noch eine Menge Fragen ungelöst, etwa die, ob die Fräsabfälle dann hinterher wirklich auf den Biomüll können.“ Diese Aussage lässt zumindest den Schluss zu, dass man sich bei Wetzlich in Viersen intensiver mit dem Thema Biogläser auseinandersetzt. Wir bleiben dran … 

Foto: Screenshot der Website startnext.com/nature-specs 

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